Ich gebe es zu: Mein erster Auswahlprozess für einen Private Equity-Partner war geprägt
von Unsicherheit und viel Improvisation. Sie kennen das vielleicht – Angebote gibt es
viele, doch welcher Anbieter passt wirklich zu den eigenen Zielen? Der klassische Ansatz
beginnt meist mit einer langen Liste an Empfehlungen, gefolgt von standardisierten
Fragebögen und ausführlichen Due-Diligence-Prüfungen. Das klingt strukturiert, kann in
der Praxis aber schnell zum Zahlenspiel verkommen, bei dem wichtige weiche Faktoren wie
Kommunikationskultur und Wertvorstellungen auf der Strecke bleiben. Nicht selten erlebt
man, dass Anbieter hervorragend auf dem Papier dastehen, im persönlichen Gespräch jedoch
wenig Flexibilität zeigen oder auf Nachfragen nur standardisierte Antworten liefern.
Gerade hier lohnt sich der Vergleich: Während große, etablierte Häuser mit einem
sicheren Fundament punkten, bieten kleinere spezialisierte Partner oft mehr
Innovationsgeist und individuellen Austausch – allerdings zu dem Preis, dass Prozesse
manchmal weniger vorhersehbar ablaufen.
In der Praxis kann ein erfahrener Partner entscheidend zum Gelingen oder Scheitern eines
Engagements beitragen. Ich erinnere mich an einen Austausch mit dem Finanzvorstand eines
mittelständischen Unternehmens, der die Entscheidung zwischen zwei Endrundenteilnehmern
mit den Worten kommentierte: "Die Chemie muss stimmen, nicht nur die Zahlen." Das klingt
banal, beschreibt aber die Realität institutioneller Auswahlprozesse ziemlich treffend.
Viele achten bei der Vorauswahl auf Ratings, langjährige Track Records und Größe des
Hauses. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Bereitschaft, auch kritische Fragen
offen zu beantworten und individuelle Lösungen zu entwickeln. Wer nur nach Schema F
auswählt, verpasst oft die Chance, einen echten Sparringspartner zu finden, der auch bei
schwierigen Themen nicht ausweicht. In unserem sogenannten Vier-Augen-Check setzen wir
bewusst auf persönliche Gespräche abseits des üblichen Präsentationsrahmens. Dabei geht
es weniger um den perfekten Pitch als um das ehrliche Interesse, gemeinsam an
Herausforderungen zu wachsen.
Natürlich gibt es auch Stolpersteine – und ich wäre nicht ehrlich, wenn ich verschweigen
würde, dass Bauchentscheidungen manchmal zu Überraschungen führen. Einmal verließen wir
uns bei der Wahl eines Partners zu sehr auf Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk, nur
um später festzustellen, dass die Vorstellungen über Entscheidungswege und
Berichtspflichten weit auseinanderlagen. Die Lehre daraus: Ergänzen Sie Ihre
Bewertungsmatrix um Erfahrungsberichte anderer Institutionen und nehmen Sie sich Zeit
für den Austausch über Erwartungen und Kommunikationswege. Der Dialog auf Augenhöhe ist
am Ende das beste Instrument, um zu erkennen, ob ein Anbieter wirklich zu Ihnen passt.
Vergleichen Sie Alternativen, seien Sie offen für Neues und vertrauen Sie auch Ihrer
eigenen Intuition – ohne dabei die strukturellen Anforderungen Ihres Hauses aus den
Augen zu verlieren. Es bleibt eine Gratwanderung zwischen objektiver Analyse und dem
Mut, auch mal Unkonventionelles zuzulassen.